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Vertriebskapazität planen: Mehr Vertriebler einstellen oder das Team entlasten?

Jil Langwost7 Min. Lesezeit

Vertriebsteam bespricht Termine und Aufgaben an einem gemeinsamen Kalender im Büro
Foto: Vitaly Gariev auf Pexels

Wenn du Vertriebskapazität planen willst, prüfe zuerst, welche Verkaufsarbeit liegen bleibt und warum. Entlaste dein Team, wo doppelte Eingaben oder unnötige Abstimmungen Zeit kosten. Bleiben danach dauerhaft mehr qualifizierte Verkaufschancen übrig, als dein Team bearbeiten kann, spricht das für eine zusätzliche Stelle.

Einen aktuellen Anlass liefert das am 17. September 2026 veröffentlichte B2BEST Barometer von ECC KÖLN und synaigy beim IFH KÖLN. Bei knapp vier von zehn befragten B2B-Unternehmen beanspruchen administrative und wiederkehrende Aufgaben mindestens 40 Prozent der Vertriebszeit. Vor der nächsten Stellenfreigabe lohnt sich deshalb ein Blick auf die Arbeit hinter den vollen Kalendern.

Die Kurzveröffentlichung enthält keine vollständige Stichprobenmethodik. Die Zahlen beschreiben die befragten Unternehmen und lassen sich nicht pauschal auf den B2B-Markt übertragen. Ob bei dir Personal fehlt, zeigt erst die Prüfung eurer eigenen Abläufe.

Vertriebskapazität planen: Wo bleibt Arbeit liegen?

„Wir kommen nicht hinterher“ reicht als Begründung für eine neue Stelle nicht aus. Lass dir zeigen, was konkret wartet: unbeantwortete Anfragen, offene Angebote oder Interessenten ohne nächsten Gesprächstermin. Dann prüfe, wer diese Arbeit übernehmen müsste.

Ein Setter kann genügend qualifizierte Termine vereinbaren, während der Closer keinen freien Gesprächsslot mehr hat. Ein weiterer Setter würde dann zunächst den Rückstau vergrößern. Du brauchst zusätzliche Abschlusskapazität oder musst dem Closer andere Aufgaben abnehmen.

Sind dagegen noch Beratungstermine frei, schau auf den Weg dorthin. Fehlen passende Kontakte? Bleiben Rückrufe liegen? Oder buchen Interessenten Termine, obwohl euer Angebot gar nicht zu ihrem Bedarf passt?

Plane nach Aufgaben und Rollen, nicht allein nach Köpfen. Ein Team kann gleichzeitig zu wenig Zeit für Erstkontakte und freie Kapazität für Beratung haben. Eine weitere Allrounder-Stelle verdeckt diesen Unterschied eher, als ihn zu lösen.

Erfasse Zeitaufwand und Ursache gemeinsam

Für die erste Bestandsaufnahme reicht eine gemeinsame Tabelle. Dein Team hält fest, welche Aufgaben anfallen und wie viel Zeit sie beanspruchen. Wähle einen Zeitraum, der euren normalen Betrieb abbildet, statt ausschließlich das Quartalsende oder eine Messewoche zu betrachten.

Erfasst die Arbeit so genau, dass sich daraus eine Entscheidung ableiten lässt. „Angebotserstellung“ ist zu grob, wenn darunter sowohl individuelle Kalkulationen als auch die Suche nach Kundendaten fallen. Diese Aufgaben brauchen unterschiedliche Lösungen.

Sinnvolle Kategorien sind:

  • Kundenarbeit: Kontaktversuche, Qualifizierung, Beratung und Verhandlung.
  • Vorbereitung und Nachbereitung: Kundenrecherche, Gesprächsnotizen und Angebote.
  • Interne Abstimmung: Übergaben, Rückfragen und Freigaben.
  • Verwaltung: Dateneingaben, Statusmeldungen und Berichte.

Notiert bei auffälligen Aufgaben auch den Auslöser. Ein Account Executive wartet vielleicht auf eine Preisfreigabe und fragt mehrfach intern nach. Das sieht nach hoher Auslastung aus, obwohl eine klare Entscheidungsbefugnis helfen könnte.

Erkläre vorab, wofür du die Erfassung brauchst. Du willst den Personalbedarf bestimmen und unnötige Arbeit finden. Eine Rangliste nach dokumentierten Arbeitsstunden liefert dir dafür keine brauchbare Grundlage.

Besprich die Ergebnisse mit den Leuten, die die Aufgaben erledigen. Frage etwa: „Was brauchst du, damit du dieses Angebot ohne weitere Rückfrage verschicken kannst?“ Die Antwort ist für deine Planung hilfreicher als die pauschale Forderung nach mehr Effizienz.

Wie berechnest du den Personalbedarf im Vertrieb?

Rechne vom erwarteten Arbeitsvolumen aus. Dazu gehören bestehende Verkaufschancen, wiederkehrende Kundenanfragen und die geplante Neukundenansprache. Ein Umsatzziel allein sagt dir noch nicht, wie viele Gespräche und Angebote dein Team bearbeiten muss.

Nutze dafür eure eigenen Prozessdaten. Wie viele Kontaktversuche braucht ihr üblicherweise für ein Qualifizierungsgespräch? Wie viele Beratungstermine durchläuft eine Verkaufschance? Falls diese Werte fehlen, beginne mit der beschriebenen Zeiterfassung und den vorhandenen CRM-Daten.

Die Grundrechnung lautet:

Benötigte Arbeitszeit = erwartete Anzahl der Vorgänge × beobachteter Zeitbedarf je Vorgang.

Rechne die wesentlichen Aufgaben jeder Rolle einzeln durch. Addiere anschließend den Aufwand für denselben Zeitraum. Erfolgslose Kontaktversuche und Nachfassgespräche gehören dazu, weil sie ebenfalls Zeit kosten.

Trenne Vorgänge, deren Aufwand deutlich auseinanderliegt. Ein Standardangebot aus einer Preisliste lässt sich anders planen als ein Projektangebot mit technischer Abstimmung. Ein gemeinsamer Durchschnitt kann den Aufwand für komplexe Fälle verdecken.

Stelle der benötigten Zeit die verfügbare Arbeitszeit gegenüber. Berücksichtige Urlaub, bekannte Abwesenheiten und feste interne Aufgaben. Zähle dabei nichts doppelt: Eine Teambesprechung gehört entweder auf die Bedarfsseite oder wird von der verfügbaren Zeit abgezogen.

Rechne zusätzlich einen Verlauf mit höherer Nachfrage durch. Verwende dafür eure beobachteten Schwankungen und bereits bekannte Vorhaben, etwa eine geplante Kampagne. Ein frei gewählter Puffer wirkt zwar ordentlich in der Tabelle, macht die Planung aber nicht belastbarer.

Plane auch neue Mitarbeiter nicht sofort mit voller Kapazität ein. Sie müssen das Produkt kennenlernen und Gesprächsabläufe üben. Gleichzeitig benötigen sie Zeit von erfahrenen Kollegen, die dann für Kundentermine fehlt.

Welche Aufgaben solltest du zuerst reduzieren?

Beginne mit Arbeit, deren Ergebnis niemand nutzt. Wer liest den wöchentlichen Bericht? Welche Entscheidung hängt daran? Wenn darauf keine klare Antwort kommt, ist das ein guter Kandidat zum Streichen.

Danach folgen doppelte Eingaben. Überträgt der Closer nach jedem Gespräch dieselben Kundendaten ins CRM und in eine separate Angebotsliste? Prüfe, ob beide Arbeitsschritte einen eigenen Zweck erfüllen oder ein gemeinsamer Datenstand reicht.

Schau anschließend auf Übergaben. Muss ein Setter Gesprächsinhalte mehrfach erklären, fehlen vielleicht klare Übergabekriterien. Ein festgelegter Satz notwendiger Angaben kann Rückfragen ersparen, ohne das Übergabegespräch vollständig zu ersetzen.

Erst danach würde ich zusätzliche Software prüfen. Sonst bezahlst du womöglich dafür, einen unnötigen Arbeitsschritt schneller auszuführen. Teste bei Automatisierung immer den gesamten Ablauf, einschließlich Einrichtung und Korrekturen.

Das gilt auch für KI-Unterstützung. Ein automatisch erstellter Gesprächsvermerk ist nur dann eine Entlastung, wenn Prüfung und Nacharbeit weniger Aufwand verursachen. Vergleiche deshalb echte Arbeitsfälle mit und ohne Unterstützung.

Persönliche Beratung solltest du nicht pauschal kürzen. Laut dem beim IFH KÖLN veröffentlichten B2BEST Barometer halten 84 Prozent der Befragten persönlichen Kontakt bei beratungsintensiven Themen weiterhin für erforderlich. Die Befragung belegt weder, dass zusätzliche Vertriebler grundsätzlich unnötig sind, noch dass KI persönliche Beratung vollständig ersetzen kann.

Wenn dein Closer im Videogespräch den Preis verteidigt und offene Entscheidungsfragen klärt, macht er seine Arbeit. Die anschließende Mehrfacheingabe derselben Daten ist der naheliegendere Ansatzpunkt für Entlastung.

Wann solltest du einstellen, wann reicht Entlastung?

Entscheidend ist, was nach den Verbesserungen weiterhin liegen bleibt. Mit dieser Übersicht kannst du die Beobachtungen aus deinem Team einordnen:

BeobachtungWas du prüfen solltestNaheliegender nächster Schritt
Qualifizierte Interessenten warten auf BeratungGesprächskapazität nach organisatorischer EntlastungZusätzliche Vertriebsstelle planen, wenn die Lücke bleibt
Vertriebler erfassen dieselben Daten mehrfachZweck der Eingaben und vorhandene SchnittstellenDoppelarbeit beseitigen und Zeitgewinn messen
Viele Termine passen nicht zum AngebotQualifizierung vor der TerminbuchungKriterien für Termine und Übergaben schärfen
Angebote warten auf interne EntscheidungenZuständigkeiten und FreigabewegeEntscheidungsbefugnisse klären
Nur einzelne Spitzen überlasten das TeamDauer und Wiederholung der MehrarbeitZeitlich begrenzte Unterstützung prüfen
Erfahrene Verkäufer erledigen viel übertragbare VerwaltungUmfang und notwendige FachkenntnisseVertriebsassistenz oder interne Aufgabenverlagerung prüfen

Meist würde ich zuerst erfahrene Verkäufer von vermeidbarer Verwaltung entlasten. Sie kennen eure Kunden und können die gewonnene Zeit für offene Verkaufschancen nutzen. Dafür musst du allerdings festlegen, welche Kundenarbeit sie anschließend übernehmen sollen.

Eine zusätzliche Einstellung ist sinnvoll, wenn passende Nachfrage dauerhaft unbedient bleibt. Ein deutliches Signal sind wachsende Rückstände trotz bereinigter Abläufe. Prüfe dann, welche Rolle diese Rückstände tatsächlich abbauen kann.

Du musst Entlastung und Personalsuche nicht immer nacheinander angehen. Bei längerer Einarbeitung kann es sinnvoll sein, bereits parallel zu suchen. Halte dann fest, welche Kapazitätslücke du nach den Prozessverbesserungen noch erwartest.

Vergleiche Kosten und tatsächlich gewonnene Vertriebszeit

Bei einer Einstellung zählt mehr als das Grundgehalt. Berücksichtige variable Vergütung und die für eure Beschäftigungsform anfallenden Arbeitgeberkosten. Hinzu kommen Arbeitsmittel sowie der Aufwand für Suche und Einarbeitung.

Auch Entlastung kostet Zeit und Geld. Eine Assistenz braucht eindeutige Aufgaben und funktionierende Übergaben. Neue Software muss eingerichtet werden, und jemand muss Fehler beheben können.

Vergleiche beide Lösungen über denselben Zeitraum. Frage jeweils: Welche Aufgaben werden danach zuverlässig erledigt, und wie viel Zeit bleibt den Verkäufern zusätzlich? Die günstigere Rechnung hilft wenig, wenn die wartenden Angebote weiterhin unbearbeitet bleiben.

Zeitgewinn muss bei der überlasteten Rolle ankommen. Weniger Berichtswesen beim Setter schafft noch keinen zusätzlichen Beratungstermin beim Closer. Prüfe deshalb nach jeder Änderung, ob genau der Rückstand kleiner wird, der die Maßnahme ausgelöst hat.

Formuliere die neue Stelle aus der offenen Arbeit heraus

Wenn eine Kapazitätslücke bleibt, beschreibe zuerst die Aufgaben der neuen Person. Soll sie Erstkontakte qualifizieren oder bestehende Verkaufschancen bis zur Entscheidung begleiten? Daraus ergeben sich die Rolle und die Anforderungen an die Erfahrung.

Prüfe im Auswahlgespräch die spätere Arbeit. Lass einen Setter ein Qualifizierungsgespräch führen. Ein Kandidat für eine Abschlussrolle sollte beispielsweise zeigen, wie er einen Preiseinwand bearbeitet und einen verbindlichen nächsten Schritt vereinbart.

Wenn du dafür geprüfte Vertriebler suchst, ist Salently für Unternehmen eine mögliche Anlaufstelle. Der Marktplatz ermöglicht Stellenausschreibungen und die Kontaktfreischaltung, nachdem Vertriebler Interesse gezeigt haben. Die Preise und Pakete kannst du in deine Suchkosten einrechnen; eine Provision bei Einstellung fällt nicht an.

Nimm zur nächsten Personalrunde eine Übersicht der liegen gebliebenen Arbeit und der verfügbaren Zeit je Rolle mit. Gib die Stelle frei, wenn daraus eine dauerhafte Lücke hervorgeht, und benenne konkret, welche Aufgaben die neue Person übernehmen soll.

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Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man die Vertriebskapazität?

Ermittle je Vertriebsrolle das erwartete Aufgabenvolumen und die dafür benötigte Bearbeitungszeit. Vergleiche diesen Aufwand mit der verfügbaren Arbeitszeit im gleichen Zeitraum. Berücksichtige dabei Abwesenheiten, interne Aufgaben und notwendige Nachbereitung.

Wann sollte ein Unternehmen zusätzliche Vertriebler einstellen?

Eine Einstellung ist sinnvoll, wenn notwendige Verkaufsarbeit dauerhaft liegen bleibt und organisatorische Verbesserungen nicht ausreichen. Entscheidend ist, welche Rolle fehlt. Mehr Erstkontakt-Kapazität hilft beispielsweise wenig, wenn bereits qualifizierte Interessenten auf Beratung warten.

Wie viel Zeit sollte ein Vertriebler mit Kunden verbringen?

Dafür gibt es keinen Zielwert, der zu jeder Vertriebsrolle passt. Technische Beratung verlangt andere Vorbereitung als der Verkauf eines standardisierten Angebots. Prüfe, welcher Begleitaufwand für eure Kundengespräche nötig ist und welche Verwaltung sich vermeiden lässt.

Kann KI eine zusätzliche Vertriebsstelle ersetzen?

Das hängt davon ab, welche Aufgaben die Stelle übernehmen soll. KI-Unterstützung kann bei wiederkehrenden Tätigkeiten Zeit sparen, verursacht aber auch Prüfaufwand. Ob dadurch eine Stelle entfällt, lässt sich erst anhand der verbleibenden Arbeit beurteilen.

Wann lohnt sich eine Vertriebsassistenz?

Eine Vertriebsassistenz kann sinnvoll sein, wenn übertragbare Verwaltungsaufgaben regelmäßig viel Verkäuferzeit beanspruchen. Voraussetzung sind klare Zuständigkeiten und ein ausreichender Aufgabenumfang. Bleiben dagegen vor allem Beratung und Verhandlung liegen, brauchst du dafür passende Vertriebskompetenz.

Über den Autor

Jil Langwost

Mitgründerin & Geschäftsführerin

Jil war selbst Finanzberaterin und hat online über 170 Neukunden gewonnen. 2020 gründete sie die Jil Langwost GmbH, die Finanz- und Versicherungsvertrieben im DACH-Raum mit planbarer Neukundengewinnung und dem Aufbau von Vertriebsteams hilft.

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