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Vertriebler werden: Quereinstieg, Rollen und Fähigkeiten

Jil Langwost7 Min. Lesezeit

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Bewerber formuliert seinen Lebenslauf für den Einstieg in den Vertrieb
Foto: Sora Shimazaki auf Pexels

Wenn du Vertriebler werden willst, kannst du auch ohne einschlägige Ausbildung einsteigen. Als Vertriebsmitarbeiter musst du Kundenbedarf verstehen, dein Angebot erklären und Gespräche verbindlich nachhalten. Suche eine Rolle, in der du vorhandene Fähigkeiten nutzen kannst und für die fehlenden Aufgaben eingearbeitet wirst.

Kurz gesagt: Wähle deine Einstiegsrolle nach den Aufgaben, nicht nach dem Titel. Zeige mit konkreten Beispielen, welche Erfahrung du mitbringst. Prüfe vor einer Zusage, wie Einarbeitung und Vergütung geregelt sind.

Was ist ein Vertriebler?

Ein Vertriebler gewinnt und betreut Kunden und begleitet sie von der Kontaktaufnahme bis zum Kauf oder zur weiteren Zusammenarbeit. Laut REFA arbeiten Vertriebsmitarbeiter im Innen- oder Außendienst und verkaufen an Unternehmen oder Privatkunden.

Vertriebsmitarbeiter ist die sachliche Berufsbezeichnung, Vertriebler die umgangssprachliche Variante. In Stellenanzeigen findest du auch englische Titel: Ein Sales Representative übernimmt Verkaufsaufgaben. Ein Account Executive betreut häufig Verkaufschancen von der Bedarfsanalyse bis zum Abschluss.

Die Bezeichnung Verkäufer betont meist den unmittelbaren Verkauf. Vertrieb umfasst mehr: Laut Gabler Wirtschaftslexikon, Fassung 2018 gehören auch Warenverteilung, Außendienststeuerung und Beziehungspflege dazu. Im Arbeitsalltag überschneiden sich die Bezeichnungen.

Verlass dich deshalb nicht auf den Titel einer Stellenanzeige. Hinter „Sales Manager“ kann tägliche telefonische Neukundengewinnung stecken oder die Betreuung bestehender Geschäftskunden. Personalverantwortung ist damit nicht automatisch gemeint.

Welche Vertriebsrolle passt zu deinem Einstieg?

Die passende Vertriebsrolle hängt davon ab, welchen Teil des Verkaufsprozesses du übernehmen möchtest. Prüfe zuerst, ob du neue Kontakte ansprechen, Kaufentscheidungen begleiten oder bestehende Kunden betreuen sollst.

B2B bezeichnet das Geschäft mit Unternehmen, B2C das Geschäft mit Privatkunden. Beim B2B-Einstieg solltest du klären, wer beim Kunden entscheidet und wie viel Fachwissen das Angebot verlangt.

Die Tabelle zeigt typische Aufgaben. Unternehmen grenzen diese Rollen unterschiedlich ab.

RolleTypische AufgabeDas solltest du vor der Bewerbung klären
SDR oder BDRSales Development Representative beziehungsweise Business Development Representative: Kontakte ansprechen und prüfen, ob eine Verkaufschance bestehtKommen Anfragen herein oder musst du selbst Kontakte aufbauen? Die Abgrenzung beider Titel variiert.
SetterInteressenten ansprechen, ihre Eignung prüfen und Verkaufstermine vereinbarenKennen die Kontakte das Angebot bereits? Wann zählt ein Termin als geeignet?
CloserVorbereitete Verkaufsgespräche führen, Einwände klären und Kaufentscheidungen begleitenWas wurde vor dem Gespräch bereits geklärt? Welches Produktwissen brauchst du?
Account ExecutiveVerkaufschancen von der Bedarfsanalyse über das Angebot bis zum Abschluss betreuenGehört die Erstansprache dazu? Wer unterstützt dich bei fachlichen Fragen?
Account ManagerBestehende Kunden betreuen, Zusammenarbeit ausbauen und Verlängerungen begleitenGeht es hauptsächlich um Betreuung oder auch um zusätzlichen Verkauf?
VertriebsinnendienstAnfragen bearbeiten, Angebote erstellen oder telefonisch verkaufenUnterstützt du andere Vertriebler oder hast du ein eigenes Verkaufsziel?
AußendienstKunden vor Ort besuchen, beraten und Verkaufschancen entwickelnWie viel Reisezeit fällt an? Übernimmst du bestehende Kunden oder baust du ein Gebiet auf?

Ein Setter telefoniert etwa am Vormittag seine Kontaktliste ab und prüft, wer ein Beratungsgespräch braucht. Ein Closer klärt später im Video-Call, ob das Angebot den Bedarf abdeckt und der Preis tragbar ist. Überlege, welchen dieser Arbeitsabläufe du dir täglich vorstellen kannst.

Für den Einstieg zählt die Einarbeitung mehr als der Titel. Eine klar begrenzte Aufgabe mit regelmäßigem Feedback ist meist die bessere Wahl als Abschlussverantwortung ohne Begleitung. Wenn dich Abschlussgespräche reizen, findest du im Ratgeber Closer werden eine genauere Einordnung.

Welche Fähigkeiten brauchst du als Vertriebler?

Als Vertriebler musst du aufmerksam zuhören, gezielt nachfragen und Zusagen einhalten. Wer gut reden kann, aber den Kundenbedarf überhört, wird im Gespräch schnell am Problem vorbeiverkaufen.

Bedarf klären, bevor du etwas empfiehlst

Eine Bedarfsanalyse klärt, welches Problem der Kunde lösen will und welche Anforderungen eine Lösung erfüllen muss. Statt sofort dein Produkt vorzustellen, fragst du beispielsweise: „Wie bearbeitet ihr solche Anfragen bisher?“

Dann bleibst du bei der Antwort. Sagt der Kunde, dass Angebote liegen bleiben, fragst du nach dem Ablauf: „An welcher Stelle stockt es?“ Erst wenn du das verstanden hast, kannst du sinnvoll erklären, was dein Angebot verbessert.

Einwände verstehen

Ein Einwand ist eine Sorge oder ein Hindernis, das gegen einen Kauf spricht. Auf „zu teuer“ sofort mit einem Rabatt zu reagieren, ist meist voreilig. Frage zunächst, womit der Kunde den Preis vergleicht.

Vielleicht fehlt ihm eine nachvollziehbare Begründung für den Nutzen. Vielleicht reicht sein Budget tatsächlich nicht. Du brauchst eine klare Antwort, bevor du über den Preis verhandelst.

Gespräche zuverlässig nachhalten

Nach dem Telefonat hältst du fest, was der Kunde braucht und welcher nächste Schritt vereinbart wurde. Dafür nutzen Vertriebsteams häufig ein CRM, ein System zur Verwaltung von Kundenkontakten und Verkaufschancen.

Wenn du einen Rückruf für Donnerstag zusagst, rufst du Donnerstag an. Kannst du eine Frage noch nicht beantworten, klärst du sie intern und meldest dich zurück. Diese Verlässlichkeit gehört zum Beruf, auch wenn sie in Stellenanzeigen weniger auffällt als „Abschlussstärke“.

Kannst du ohne Ausbildung Vertriebler werden?

Du kannst ohne einschlägige Ausbildung Vertriebler werden, wenn der Arbeitgeber Quereinsteiger berücksichtigt. Laut Bundesagentur für Arbeit bedeutet Quereinstieg den Wechsel in eine Tätigkeit ohne passende Ausbildung oder Berufserfahrung, wobei vorhandene Fähigkeiten übertragen werden.

Eine kaufmännische Ausbildung kann Grundlagen für Kundenkontakt und betriebliche Abläufe vermitteln. Beim Quereinstieg bringst du andere Berufserfahrung mit und lernst die fehlenden Vertriebsaufgaben dazu. Weiterbildung dient dazu, Kenntnisse aufzubauen oder zu vertiefen.

Der „Geprüfte Berufsspezialist für Vertrieb“ ist laut BIBB-Verordnung von 2023 eine Fortbildung. Er ist keine Erstausbildung und keine allgemeine Zugangspflicht für Vertriebsstellen.

Suche nach Aufgaben, bei denen deine bisherige Erfahrung hilft. Wer im Handwerk technische Fragen erklärt hat, bringt möglicherweise passendes Produktverständnis mit. Wer Beschwerden bearbeitet hat, kennt Gespräche mit angespannten Kunden.

Ein teurer Kurs sollte nicht dein automatischer erster Schritt sein. Lies zunächst passende Stellenanzeigen und frage Arbeitgeber, welche Kenntnisse sie wirklich voraussetzen. Danach kannst du gezielt lernen, statt auf Verdacht Zertifikate zu sammeln.

Wie zeigst du übertragbare Erfahrung in der Bewerbung?

Zeige in deiner Bewerbung, welche vertriebsnahen Aufgaben du bereits übernommen hast. Kundenkontakt, der Umgang mit Zahlen und nachvollziehbare Arbeitsergebnisse sagen mehr als „kommunikationsstark und motiviert“.

Beschreibe deinen Kundenkontakt konkret

Hast du Produkte erklärt oder Beschwerden bearbeitet? Hast du Kunden bei einer Entscheidung geholfen? Beschreibe den Ablauf und deinen eigenen Anteil daran.

Eine mögliche Formulierung für tatsächliche Erfahrung im Kundenservice:

„Im Kundenservice habe ich Anliegen telefonisch geklärt und offene Rückfragen bis zur Lösung nachgehalten. Auch bei unzufriedenen Kunden blieb ich ruhig und vereinbarte klare nächste Schritte.“

Damit kann ein Arbeitgeber etwas anfangen. Im Vorstellungsgespräch solltest du einen echten Vorgang dazu erklären können: Was wollte der Kunde, was hast du gefragt und wie ging es weiter?

Belege Ergebnisse und deinen Umgang mit Zahlen

Nutze Kennzahlen nur, wenn du sie belegen und weitergeben darfst. Nenne den Zeitraum und die interne Datenquelle. Mache deutlich, ob du dein eigenes Ergebnis oder das Ergebnis eines Teams beschreibst.

Auch ohne Erfolgskennzahlen kannst du Zahlenverständnis zeigen. Vielleicht hast du Angebote kalkuliert oder Bestellmengen geprüft. Beschreibe genau diese Aufgabe, statt dir Vertriebserfolge zuzuschreiben.

Eine mögliche Formulierung für tatsächliche Erfahrung in der Auftragsbearbeitung:

„In der Auftragsbearbeitung habe ich Mengen und Preise geprüft und fehlende Kundenangaben eingeholt. So konnten die zuständigen Kollegen mit vollständigen Angaben weiterarbeiten.“

Vertrauliche Kundendaten gehören nicht in die Bewerbung. Wenn du ein Ergebnis nicht beziffern kannst, beschreibe den überprüfbaren Arbeitsschritt und seinen Nutzen.

Wie zeigst du Vertriebskönnen ohne bisherigen Vertriebsjob?

Eine kurze Arbeitsprobe zeigt, wie du an ein Verkaufsgespräch herangehst. Bereite dafür eine Gesprächseröffnung oder Fragen für eine Bedarfsanalyse vor.

Nimm ein Angebot, das du verstehst. Erkläre, für welchen Kunden es passen könnte und was du vor einer Empfehlung herausfinden musst. Begründe auch, wann du vom Kauf abraten würdest.

Jobs findest du über Stellenbörsen oder direkt auf Unternehmensseiten. Eine weitere Möglichkeit ist Salently für Vertriebler: Salently ist ein Marktplatz für geprüfte Vertriebler im DACH-Raum. Vertriebler weisen dort ihr Können durch einen Wissenstest, ein Verkaufsgespräch mit einem KI-Kunden und vom Team geprüfte Nachweise nach. Daraus entstehen die Level Talent, Professional und Top-Performer.

Ein solcher Nachweis kann eine Bewerbung ergänzen. Ob du zum Produkt und zur konkreten Aufgabe passt, muss der Arbeitgeber trotzdem im Bewerbungsprozess klären.

Woran erkennst du einen guten Einstiegsjob im Vertrieb?

Ein guter Einstiegsjob hat klare Aufgaben und eine konkrete Einarbeitung. Lass dir erklären, wie du vom Kennenlernen des Produkts zu deinen ersten eigenen Kundengesprächen kommst.

Bei Hospitationen begleitest du erfahrene Kollegen und hörst, wie sie Gespräche führen. Danach brauchst du Rückmeldung zu deinen eigenen Gesprächen. „Du kannst jederzeit fragen“ reicht dafür nicht: Frage nach einem festen Ansprechpartner und danach, wann ihr deine Gespräche besprecht.

Diese Fragen helfen dir im Vorstellungsgespräch:

  • Welche Aufgaben übernehme ich anfangs selbstständig?
  • Woher kommen die Kontakte, und was wissen sie bereits über das Angebot?
  • Wer bespricht meine ersten Gespräche mit mir?
  • Welche Ziele gelten während der Einarbeitung?

Vergütung und Zusammenarbeit klären

Stand: Oktober 2026. Das Fixum ist der feste Gehaltsbestandteil, die Provision eine erfolgsabhängige Vergütung. Lass dir erklären, welche Leistung einen Anspruch auslöst und wann ausgezahlt wird.

Frage auch, wie mit stornierten Aufträgen umgegangen wird. Eine hohe mögliche Provision sagt wenig, solange die Berechnungsgrundlage unklar bleibt. Mehr dazu findest du unter Provision im B2B-Vertrieb.

Prüfe außerdem, ob die Stelle eine Anstellung oder freie Mitarbeit vorsieht. Bei freier Mitarbeit musst du eigene Kosten und mögliche Einnahmeausfälle berücksichtigen. Steuerliche Fragen klärst du mit einem Steuerberater; bei Fragen zum sozialversicherungsrechtlichen Status ist die Deutsche Rentenversicherung eine zuständige Anlaufstelle.

Wähle jetzt Stellenanzeigen für eine Rolle aus, die zu deinen bisherigen Aufgaben passt. Notiere zu jeder wichtigen Anforderung ein echtes Beispiel aus deiner Arbeit und frage fehlende Angaben zur Einarbeitung gezielt nach.

Häufig gestellte Fragen

Was macht ein Vertriebler?

Ein Vertriebler gewinnt Kunden und begleitet sie bei Kaufentscheidungen. Je nach Stelle spricht er neue Kontakte an, erstellt Angebote oder betreut bestehende Kunden. Die Aufgabenbeschreibung ist deshalb aussagekräftiger als der Jobtitel.

Kann man ohne Ausbildung Vertriebler werden?

Vertriebler werden ist auch ohne einschlägige Ausbildung möglich, wenn die Stelle für Quereinsteiger offen ist. Erfahrung im Kundenkontakt oder Kenntnisse über das angebotene Produkt können den Einstieg erleichtern. Frage nach, welche Fähigkeiten vorausgesetzt und welche während der Einarbeitung vermittelt werden.

Welche Vertriebsrolle eignet sich für Quereinsteiger?

Für Quereinsteiger eignet sich eine Vertriebsrolle mit überschaubaren Aufgaben und verlässlicher Begleitung. Das kann eine Stelle als Setter, SDR oder im Vertriebsinnendienst sein. Prüfe den tatsächlichen Arbeitsalltag, denn diese Titel werden unterschiedlich verwendet.

Muss ein Vertriebler extrovertiert sein?

Ein Vertriebler muss nicht extrovertiert sein, sollte aber aktiv auf Kunden zugehen können. Ruhiges Nachfragen und verständliche Erklärungen sind ebenso gefragt wie eine sichere Gesprächseröffnung. Entscheidend ist, ob du Kundenkontakt suchst und auch nach Absagen weiterarbeitest.

Wie bewerbe ich mich im Vertrieb ohne Erfahrung?

Eine Bewerbung im Vertrieb ohne Vertriebserfahrung sollte konkrete Anknüpfungspunkte aus bisherigen Tätigkeiten zeigen. Beschreibe beispielsweise, wie du Kundenanliegen geklärt oder Angebote vorbereitet hast. Mit einer kurzen Arbeitsprobe kannst du zusätzlich zeigen, wie du ein Kundengespräch strukturieren würdest.

Woran erkenne ich einen seriösen Vertriebsjob?

Ein seriöser Vertriebsjob hat nachvollziehbare Angaben zu Aufgaben, Vertragsform und Vergütung. Frage nach der Herkunft der Kontakte und nach dem Ablauf der Einarbeitung. Bleiben Antworten vage oder besteht die Stellenbeschreibung fast nur aus Einkommensversprechen, solltest du genauer nachfragen.

Über den Autor

Jil Langwost

Jil Langwost

Mitgründerin & Geschäftsführerin

Jil war selbst Finanzberaterin und hat online über 170 Neukunden gewonnen. 2020 gründete sie die Jil Langwost GmbH, die Finanz- und Versicherungsvertrieben im DACH-Raum mit planbarer Neukundengewinnung und dem Aufbau von Vertriebsteams hilft.

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